Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim (Jonathan Coe)

Ernsthaft und doch humorvoll, so führt Jonathan Coe den Leser in die Welt seines Protagonisten Maxwell Sim ein. Eines wird bereits zu Anfang klar: Max ist eine tragische Figur, die einerseits so mitten in der Neuzeit steht, mit seinem Facebook, seiner Depression und einer gescheiterten Ehe, aber andererseits kommt er mit und in dieser Welt so überhaupt nicht klar. Einer Welt, in der man trotz 74 Facebookfreunden völlig einsam ist; einer Welt, in der man trotz eines Limousine mit Hybridantrieb, Navigation und Satellitenüberwachung einsam und verlassen sterben könnte, ohne dass es jemandem unmittelbar auffiele.

Jonathan Coe führt uns ungeheuer amüsant ein in das Leben von Max: Einem Loser, wie er im Buche steht – einer Person, wie sie jeder von uns sein könnte und manchmal auch ist. Die humorvollen Einführungen in Max‘ Welt und seine Schrulligkeiten werden im Lauf der Geschichte immer ernster, seine Einsamkeit immer greifbarer. Max‘ Leben ist geprägt von verpassten Gelegenheiten, verdrängten Geschichten und der Suche nach Leben.

Coe zeichnet nicht nur ein hervorragend nachvollziehbares von Max und seiner Psyche – ganz nebenbei gibt er uns auch noch einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der Welt, in der wir leben. Einer Welt, die hinter ihrem technischen Fortschnitt, ihrer unendlichen Kommunikationsmöglichkeiten keine gemeinsame Welt ist, sondern eine, die aus vielen, nebeneinander existierenden Einzelwelten besteht. Und um in ihr bestehen und überleben zu können, muß man stark sein – sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, als auch in persönlicher, denn sonst geht man in ihr unter, ohne das jemand Notiz davon nimmt.

Wieviele Einzelschicksale über Jahrzehnte und tausende Kilometer Distanz miteinander verknüpft sein können führt uns Coe in die „Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim“ gekonnt vor. Und das mit einer Leichtigkeit, die wahres Lesevergnügen nach sich zieht.

In meinen Augen ein Buch, dass seinesgleichen sucht: Wunderbarer Stil, großartige Geschichte und ein Leser, der Seite um Seite ins Grübeln gerät.

Ein Buch, dass eindrucksvoll darstellt, dass es nie zu spät ist, zu sich selber und zu anderen zu finden.

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