Der Club der unsichtbaren Gelehrten (Terry Pratchett)

Vorab: Ich denke, ich muß diesen Pratchett nochmal im Original (also in englisch) lesen. Allzu deutlich spürt man hier, dass, aus welch schleierhaften Gründen auch immer, der bisherige Übersetzer der Scheibenweltromane gegen jemanden ausgetauscht wurde, der rein den Text übersetzte, aber allem Anschein nach bis dahin noch keinen Pratchett Roman gelesen hat.
Die Story ansich ist mal wieder grandios: Das Fußballspiel in all seinen Facetten hat die Scheibenwelt erobert. Wurde es zuerst nur in der Gosse vom einfachen Volk gespielt (natürlich mit jede Menge blutiger Nasen und, in Ermangelung echter Spielregeln, etlicher Fouls), beschließt der Patrizier von Ankh Morpork, das Spiel zu politischen Zwecken zu nutzen. Es werden also verbindliche Regeln aufgestellt und gegnerische Mannschaften ausgewählt. Während die Zauberer der Unsichtbaren Universität sich aufgrund der Tatsache, dass ihnen sonst ein ordentlicher Batzen Geld durch die Lappen geht, als Team aufstellen lassen, besteht das gegnerische Team aus finsteren Gestalten von Ankh Morporks Strassen, von denen wenigstens einer seinen Rachedurst gegen den Co-Trainer des Zaubererteams bei diesem Spiel löschen will.
Wie wir es vom Fußball kennen, geht es also um Geld, Macht, Ruhm und Frauen. Es gibt Trainer, die sich in psychologischer Teamentwicklung hervortun; Hooligans, die immer einen Grund finden, um einfach mal zuzuschlagen; Schiedsrichter, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und natürlich einen Helden, der das Spiel rettet (na ja, im Grunde genommen gibt es mehrere Helden, die sich, jeder auf seine eigene Art hervortun).
Ganz nebenbei wird in der Story das Thema Fremdenhass behandelt; der Frage nachgegangen, wie man eigentlich zum Topmodel wird und was diese schillernde Welt auszeichnet und Köchinnen werden zu Star-Agenten.
All diese Nebenschauplätze greifen ineinander über, werden eins und katapultieren den Leser in eine irrwitzige, aber allzu bekannte Geschichtswelt. Also eigentlich alles wie immer – wäre da nicht die lieblose Übersetzung.
Wer Pratchett kennt und liebt, wird einiges vermissen – auch wenn man nur zu gut erahnen kann, dass es mal wieder eine mehr als gelungene Karikatur unserer Realität ist.

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