Headhunter (Jo Nesbo)

Roger Brown hat alles: Geld, Ansehen, Karriere und eine wunderschöne Frau. Er genießt den Ruf, der beste Headhunter des Landes zu sein. Er beherrscht die Verhörtechniken des FBI exzellent und erfährt so alles über einen passenden Kandidaten für hochdotierte Stellen. Dass die Menschen ihm in den Bewerbungsgesprächen nicht nur erzählen, was sie beruflich alles können, sondern er ihnen auch noch entlockt, welche Kunstwerke sie zuhause haben, fällt den meisten nicht direkt auf. Doch Rogers aufwendiger Lebensstil, den er nicht nur hat, um seine eher bescheidene Körpergröße zu kompensieren, will gepflegt werden. So raubt er regelmäßig Kunstwerke seiner Klienten und läßt diese über einen Mittelsmann verkaufen. Ein risikoreicher Nebenjob, doch das Glück ist ihm hold. Per Zufall lernt er einen Mann kennen, der nicht nur die Idealbesetzung für einen höchstdotierten Geschäftsführerposten ist; dieser Mann ist darüberhinaus auch noch Besitz eines Bildes, mit dessen Verkauf Roger ausgesorgt hätte. Und so nimmt alles seinen altbewährten Lauf – doch dann läuft etwas gänzlich anders als geplant und das Leben, das Roger bisher hatte, nimmt eine Wendung, mit der niemand gerechnet hätte. Innerhalb kürzester Zeit muss Roger erkennen, dass nicht nur die Personen, die ihm am nächsten stehen, ein scheinbar falsches Spiel spielen. Er wird zudem zum Mörder, zum Gejagten und zu einem vollkommen anderen Menschen, dessen Ziel das nackte Überleben und der Wunsch nach Rache ist.

Jo Nesbo hat einen Thriller geschaffen, der durch seine dichte Atmosphäre besticht. Wie es für skandinavische Autoren üblich zu sein scheint, ist die erste Hälfte des Buches eine ruhige Phase, in der die Charaktere (in diesem Fall Roger Brown) detailliert gezeichnet werden. Der Leser bekommt ein detailreiches Bild von Browns Psyche, erhält einen Einblick in seine Welt und erkennt, dass er es mit einem Protagonisten zu tun hat, der auf eine surreale Weise zu leben und lieben scheint. Ein Mann, der viele Schwächen und Selbstzweifel kompensiert, indem er in seiner Berufswelt „der Macher“ ist. Als diesem Menschen die Zügel entgleiten und er für einige Zeit ungeschützt, weil ungeplant, (über)leben muss, scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen. Der Leser wird von Kapitel zu Kapitel in einen Strudel aus Gewalt und Verrat gezogen und am Ende mit einer mehr als überraschenden Wendung konfrontiert.

Während mir die erste Hälfte des Buches sehr gut gefallen hat, war mir die zweite (actionreiche) Hälfte etwas zu konstruiert. Hatte ich anfangs das Gefühl, dass Nesbo viel Wert auf Schlüssigkeit und ausgereifte Charaktere legt, so hatten die vielen Wendungen und Probleme, mit denen Brown sich konfrontiert sieht, etliche Lösungen, die mir teils unlogisch, teils zu bemüht erschienen. Nichtsdestotrotz ist das Buch sehr spannend, sehr einfallsreich und sehr gut zu lesen. Für Thrillerfans, die über viele Kleinigkeiten hinwegsehen können, sicherlich ein Genuss.

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