Die Freundin meines Sohnes (Lauren Grodstein)

Pete Dizinoff hat alles, was man sich nur wünschen kann: Erfolg im Beruf, eine Familie, die ihn liebt und langjährige Freunde, die um die Ecke wohnen. Pete und seine Familie führen ein vorzeigbares Leben – sie sind respektable Mitglieder der Gesellschaft und haben noch keine größeren Schwierigkeiten bewältigen müssen. Ganz im Gegensatz zu ihren engen Freunden, deren Tochter Laura als Teenager nicht nur ungewollt schwanger wurde, sondern dieses Kind auf der Toilette einer Bibliothek zur Welt brachte und tötete. 10 Jahre lang war Laura nun fort von zuhause, erst in Therapie, dann unterwegs in der Weltgeschichte, um sich selbst zu finden. Nun ist sie wieder da und Pete beobachtet argwöhnisch, wie die „Kindsmörderin“ mit seinem Sohn anbändelt. Er versucht alles, diese Liaison zu beenden und spürt gar nicht, dass er seinen Sohn damit nicht unterstützt, sondern ihn immer weiter von sich weg drängt. Pete verliert sich in seiner Angst, dass sein Sohn einen Weg einschlagen könnte, den er sich für ihn nicht vorgestellt hat und übersieht dabei völlig, dass genau das schon vor Jahren geschehen ist.

Also Pete dann noch wegen eines Behandlungsfehlers mit Todesfolge angeklagt wird, zerbricht die heile Welt vollends. Innerhalb weniger Monate hat sein Leben an der Spitze ein Ende und er tritt eine Talfahrt an, bei der am Ende nichts als Scherben übrig bleiben.

Lauren Grodstein hat ein Buch geschaffen, dass den Leser fesselt – und das ganz ohne atemraubende Effekte. Sie zeichnet das ruhige Psychogramm eines Menschen, der versucht, sein Leben und das seiner Liebsten in den bestmöglichen, vorgezeichneten Bahnen verlaufen zu lassen und dabei den Blick dafür verliert, was im Leben wirklich zählt.

Der Protagonist wird von Grodstein so beschrieben, dass man ihn quasi vor sich sieht – denn Pete ist eine Figur, wie jeder sie kennt. Ein Mensch mit gewissen, nachvollziehbaren Moralvorstellungen, der hart für sich und seine Familie gearbeitet hat. Ein Mensch, der nicht in der Lage ist, sich selbst zu analysieren, der sich und seine Werte an nach außen hin sicht- und zeigbaren Erfolgsindikatoren mißt und der tiefe Gefühle nicht zulässt. So ist er nicht fähig sich damit auseinanderzusetzen, dass er nie wirklich verwunden hat, dass Lauras Mutter nicht ihn, sondern seinen besten Freund gehelicht hat. Oder dass sein Sohn zwar von ihm bis zum geht nicht mehr verwöhnt wurde, aber völlig verloren in einem Leben ist, wo er keine Ziele sieht und nie lernen mußte, etwas durchzuziehen. Alec erhält durch Laura das Gefühl, endlich anerkannt zu werden und eine Richtung gewiesen zu bekommen – etwas, dass er sich vielleicht von seinem Vater gewünscht hat, aber nie bekam, denn Pete liebt zwar seinen Sohn über alles, steckt ihn aber in bürgerliche Schubladen und denkt sich ein Lebenskonzept für seinen Sohn, ohne sich jemals mit ihm auseinandergesetzt zu haben und spürt so gar nicht, dass er Alec schon vor langer Zeit verloren hat.

„Die Freundin meines Sohnes“ ist ein vielschichtiger Roman, der von Anfang bis Ende fesselt. Eine Geschichte, unter deren Oberfläche sich soviel verbirgt, über das man einmal nachdenken sollte.

Für mich ein wirklich gelungenes Buch, dass auf jegliche Knalleffekte verzichtet und durch seine psychodramatischen Ansätze besticht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Romane veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s