Jacob beschließt zu lieben (Catalin Dorian Florescu)

Der Titel des Buches weckte in mir zunächst die Assoziation, dass es sich um ein schwülstiges Liebesdrama handeln könnte. Doch damit lag ich zum Glück meilenweit daneben. Von Liebesdrama findet sich eher wenig und wenn, dann mehr Drama als Liebe und schwülstig ist dieses Werk mitnichten.

Es handelt sich vielmehr um eine gut recherchierte, ergreifende und schriftstellerisch exzellent formulierte Familiengeschichte um die Familie Obertin. Den Anfang nimmt die Familienerzählung in Lothringen, dass in den Wirren des 30jährigen Krieges steckt. Der Kriegsrückkehrer Frederik eignet sich mit Gewalt einen Hof an, den er für den Besitz seiner Familie hält. Dass er einem Irrtum erlegen ist und er sich im Grundstück geirrt hat, kümmert ihn wenig. Er nimmt sich die Tochter dieser Familie zur Frau, die er als einzige überleben läßt, nimmt den Namen Aubertin an und gründet eine Familie.

Einer seiner Nachfahren wandert einige Generationen später nach Rumänien aus, um dort Reichtum und Glück zu finden. Es gelingt ihm, die Familie aufrecht zu erhalten und einigen Wohlstand anzuhäufen, welcher nach einigen Generationen jedoch schwindet. Um das Familiengut und den Wohlstand zu erhalten macht die junge Elsa Obertin eine Reise in die USA, von wo sie reich, jedoch mit zweifelhaftem Ruf, wie sie sich diesen Wohlstand erarbeitet hat, wieder zurückkehrt.

An dieser Stelle setzt der Großteil der Geschichte ein und wir erfahren, wie kurz nach Elsas Rückkehr ein merkwürdiger junger Mann, Jakob, nach Triebswetter kommt, um Elsa zu ehelichen. Jakob ist ein geschäftstüchtiger Mann, der jedoch durch seinen brutalen Jähzorn auffällt. Er zeugt mit Elsa einen Sohn, der die Linie der Obertins fortführen soll, durch seine schwächliche Konstitution allerdings nichts mit dem Vater gemein hat. Der Roman ist aus Sicht des Sohnes, Jacob, geschrieben, der von seinen Vorfahren, seinen Eltern und seiner eigenen Geschichte erzählt. Es ist eine Erzählung voller Entbehrungen, gekennzeichnet von Krieg, Verlust und Verrat, aber auch von Trotz, Stärke und unerbittlicher Suche nach Leben und Ruhe.

In meinen Augen ein wirklich großer Roman, der durch seine starke Sprache und wohldurchdachte Story besticht. Nicht nur die Erzählung einer Familien- und Kriegsgeschichte, sondern echte Literatur.

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