Als der Tag begann (Liz Murray)

Anfangs war ich eher skeptisch, weil ich die Befürchtung hatte, dass diese Lebensgeschichte entweder zu heroisch rüberkommt, oder aber zu sehr auf die Tränendrüse drücken will. Diese Skepsis hat sich aber im Lesen sehr schnell gelegt und ist einem echten Interesse an der Person, die hinter dieser Geschichte steht gewichen.

Liz Murray beginnt ihre Erzählung chronologisch. Sie berichtet zunächst davon, wie ihre Eltern sich kennenlernten und wie diese, auf unterschiedliche Weisen, zu Drogen kamen. Dann geht es über mehrere Jahre, in denen sie von ihren Beobachtungen erzählt, wie sich das Leben als Sozialhilfeempfänger mit drogensüchtigen Eltern gestaltete. Wie sie als Kind ihre Eltern, ihre Schwester und das soziale System empfunden hat.

Deutlich wird, dass es wirklich ein Erfahrungsroman ist – auf emotionale Tiefgänge wird offenbar bewusst verzichtet, auch, wenn hin und wieder Empfindungen durchscheinen, die Liz für verschiedene Menschen hegte. Beachtlich ist die Leistung, die sie als Teenager erbracht hat, auf alle Fälle. Mit ihrer Kindheit, ihren Lebensumständen und Kontakten, hat sie es aus Eigeninitiative heraus geschafft, sich selber von ganz unten, nach weit oben zu bugsieren.
Sie hat sich ihre eigene Verantwortung für ihr Leben gestellt und mit viel Mühe dafür gearbeitet, einen beachtlichen sozialen und gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Dafür gebührt ihr mein vollster Respekt.

Der Roman als solches ist in meinen Augen eher mittelmäßig. Was aber vermutlich daran liegt, dass viele Ereignisse nur von außen betrachtet werden und teilweise sehr nüchtern und chronologisch runtergeschrieben erscheinen. Gut ist natürlich, dass die ganze Geschichte in keinster Weise einen Seelenstriptease hinlegt, aber es hätte etwas mehr Tiefgang in die Geschichte einfließen können.

Nichtsdestotrotz ein gutes Buch, dass sehr deutlich zeigt, dass jeder seines Glückes Schmied sein kann, wenn er sich darum bemüht, die richtigen Kontakte zu knüpfen. Gegen Ende des Romans wird es stellenweise sehr stark selbstmotivatorisch angehaucht und man kommt sich ein wenig so vor, als lese man gerade einen Motivationsratgeber, aber da kam vermutlich ihre Profession als Coach zu sehr durch – tut der gesamten Geschichte allerdings keinen Abbruch, sondern zeigt einfach umso besser, dass Liz Murray mit sich im Reinen ist.

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