Die Komplizin, Nicci French

IMG_9850Und wieder ein genialer Thriller vom britischen Autorenpaar Nicci Gerrard und Sean French. Die beiden schaffen es immer wieder, einen als Leser bis kurz vor Schluss auf der völlig falschen Fährte irren zu lassen, um dann absolut überraschend mit der wahren Geschichte zuzuschlagen. Genial!

Auch dieser Thriller ist erneut eine Meisterleistung und ich kann kaum etwas dazu schreiben, weil ich ja nicht mal im Ansatz verraten will, was hinter der Geschichte steckt. Nur soviel: Eine junge Lehrerin lässt gemeinsam mit einer Kollegin die Leiche eines Musikers verschwinden. Offenbar sind die beiden aber nicht die einzigen, die etwas von dieser Sache mitbekommen haben und dazu kommt noch, dass es anscheinend nicht ganz so einfach ist, sich mal eben so eines Toten zu entledigen.

Die Story wechselt in kurzen Kapiteln zwischen der Zeit vor dem Mord und der Zeit danach, bis sich zum Ende hin alles zu einer, so nicht vorhersehbaren, Geschichte entwickelt hat.

Mehr kann und will ich dazu nicht äußern. Wer unaufgeregte Thriller mag, der sollte sich diesen hier nicht entgehen lassen! Erste Sahne!

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Billy (einzlkind)

IMG_9625Also momentan hab ich ja anscheinend einen Lauf, was den Griff zu extrem guten Büchern geht. Auch dieses hab ich gefühlt am Stück gelesen, weil es einfach klasse ist.

‚Billy‘ ist sarkastisch und in einem unnachahmlichen Stil verfasst (ein-Wort-Sätze muss man mögen, kurze, sarkastische Aussagen auch…wenn dem so ist, wird man dieses Buch lieben). Die Geschichte ist auch eher unaufgeregt, aber man will von Kapitel zu Kapitel wissen, was denn nun weiterhin passiert – weniger in Richtung: Ich komme um vor Spannung, als mehr in der Art: Himmelhilf, was geht denn da noch ab?!

Ein schottischer Auftragsmörder erzählt von seinem Leben, während er sich auf dem Weg nach Las Vegas befindet…einer anscheinend abgefuckteren Stadt, als ich das bisher aus Filmen und Büchern kannte ;). In Vegas geht es aber nicht nur ums Spielen, sondern auch ums Sterben. Ob jemand tatsächlich stirbt, wer und warum…das kann ich natürlich nicht verraten, aber in seiner Kürze ist dieser Roman einfach toll…und man bekommt nebenbei auch noch einiges an Philosophie geliefert – das allein ist schon eine Kunst.

Tolles Buch!

Die beiden anderen vom Autor muss ich mir definitiv noch besorgen (die können eigentlich nur super sein, wenn ‚Billy‘ für dessen typischen Erzählstil steht).

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Die Lügen der Anderen (Mark Billingham)

IMG_9624Ein eher ruhiger, unaufgeregter Thriller, der erst ganz zum Schluss mit der ganzen Wahrheit heraus rückt. Toll geschrieben und der Autor versteht es meisterhaft, den Verdacht auf alle Personen zu lenken und erst auf der gefühlt letzten Seite den wahren Täter zu entlarven.

Zur Story: Drei Paare aus England lernen sich im Florida Urlaub kennen. Hier verbringen sie einige Essen miteinander und treffen gemeinschaftlich auf eine Frau und deren 13 jährige Tochter. Eben jene Tochter verschwindet während des Aufenthalts der englischen Urlauber und dieser Vermisstenfall (der später zum Mordfall wird, wie sich kurz nach der Abreise der Urlaubenden herausstellt) wird zum Dauerthema, als die Paare sich in England gegenseitig zum Essen einladen.
Im Laufe dieser Treffen wird klar, dass keines der Paare das rosige Leben führt, das sie vorher dargestellt haben und auch, dass sie alle nicht ganz bei der Wahrheit geblieben sind, was ihren jeweiligen Aufenthalt am Tag des Verschwindens des Mädchens anging.

Als Leser wird man fast unerträglich langsam in eine Geschichte gezogen, die zeigt, wie dunkel und verwirrend die menschliche Psyche sein kann. Billingham versteht es zudem ausgezeichnet, alle Personen gleichermaßen schuldig da stehen zu lassen und hinterlässt einen überraschten Leser, der (wenn es ihm so geht wie mir) sich bis zum Ende hat täuschen lassen.

Chapeau!

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Old School (John Niven)

IMG_9534Super. Abgefahren. Komisch. Sehr, sehr geil.

Keine Ahnung, ob ich mehr dazu schreiben sollte/muss – das Buch hat mich einfach überzeugt. Es fängt schon super an, indem ein nach außen hin spießiger an den Folgen einer seiner regelmäßig gebuchten Domina-Sessions stirbt. Es geht weiter damit, dass seine Frau durch diesen bizarren Todesfall von seinem Doppelleben erfährt und endet damit, dass sie, gemeinsam mit 3 Freundinnen, beschließt, eine Bank auszurauben.
Das sind nur die ersten paar Seiten des Buches – es geht genauso irrwitzig, lustig, manchmal auch tragisch, aber vor allem cool, weiter.

Vier Rentnerinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, überfallen in England eine Bank, flüchten durch halb Frankreich, legen sich nebenbei noch mit der russischen Mafia an und werden verfolgt von den vielleicht unsymphatischsten und bescheuertsten Polizisten Englands.

Wer auf abgefahrene Stories steht, der wird seine helle Freude an dem Roman haben. Ich habe jedenfalls mit Dauergrinsen und Hochspannung Seite um Seite verschlungen und mit den Freundinnen gefiebert, ob und wie sie es wohl schaffen werden.

Für mich definitiv eines der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Rachel Joyce

IMG_9432Ein unaufgeregter, zu Herzen gehender Roman – so würde ich ‚Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‘ ganz kurz zusammenfassen.
Harold ist Pensionär und bekommt eines Tages einen kurzen Brief seiner ehemaligen Arbeitskollegin, die er seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Sie teilt ihm mit, dass sie in einem Hospiz auf den Tod wartet und sich mit dem Brief von ihm verabschieden möchte. Harold, der ein ruhiges, von festgelegten Tagesabläufen bestimmtes Leben in Südengland führt, schreibt ihr eine Karte und auf dem Weg zum Briefkasten muss er an die Vergangenheit denken und was er alles anders hätte machen können oder sollen. So wird aus einem kurzen Weg zur Postbox eine Pilgerreise von Süd- bis Nordengland.
Es geht in diesem Roman viel weniger darum, was Harold auf seiner Wanderschaft erlebt und welchen Menschen er begegnet (obwohl auch diese Begegnungen alle ihren Anteil an seinen Gedanken und Entwicklungen haben), sondern es geht eher darum, wie Harold und seine Frau Maureen, die sich vor Jahren voneinander entfernt haben, nun wieder zueinander finden, obwohl sie räumlich, emotional und gedanklich kaum weiter voneinander entfernt sein könnten, als nun, wo Harold auf Pilgerreise ist.
Es ist ein herzerwärmendes Buch das zeigt, wie wenig es braucht, um sich völlig voneinander zu entfremden und das man die Vergangenheit zwar nicht ändern kann, es aber durchaus lohnenswert ist, zu versuchen, den eigenen Blickwinkel zu verändern, um auch nach Jahren etwas zu sehen, das schon immer da war, einem aber verborgen geblieben ist.
Ein schönes, ruhiges Buch, das keine Abenteuer, Dramen oder Weltverbesserungen thematisiert, sondern schlichtweg davon erzählt, dass es nicht zu spät ist, um mit sich und seinen Fehlern ins Reine zu kommen.

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Die Party Queen von Manhattan, Lauren Weisberger

IMG_3133Bette Robinson ist Ende 20 und fristet ihr Leben als Angestellte in einer New Yorker Bank. Nicht wirklich aufregend und kein bißchen glamourös, dieser Job, den sie Tag für Tag, Überstunde für Überstunde wenig begeistert absitzt. Zu dem tristen Job kommt noch die traurige Tatsache, dass Bette schon seit einer gefühlten Ewigkeit kein Date mehr hatte und so verbringt sie die kurzen Abende, an denen sie ein wenig Zeit für sich hat, abwechselnd damit, sich mit einer guten Freundin in der Lieblingskneipe zu betrinken, oder eine Tüte Chips auf dem Sofa zu futtern und in Selbstmitleid zu verfließen. Da kommt es gerade recht, dass ihr direkter Vorgesetzter sich einmal zuviel als Extremarsch zeigt und Bette mir nichts dir nichts kündigt und ein neues Leben beginnt.
Dieses führt sie zufälligerweise in eine PR Agentur, wo sie von nun an den Traum aller jungen Frauen im Beruf lebt: Schicke Parties organisieren und natürlich an diesen teilnehmen, jede Menge Stars und Sternchen treffen und sich von Glitzer und Glamour einlullen lassen. So cool das Ganze anfangs auch für Bette ist, so schnell wird ihr an eigenem Leibe klar gemacht, das die ganze Schickeria nur aus Schein und zu keinem Teil aus Sein besteht und das man für gute Presse einfach alles zu tun hat, will man in dem Job weiterkommen. Für Bette bedeutet das, das ihr Leben rasant an Fahrt aufnimmt und sie nach ein paar gelungenen Schnappschüssen, die sie an der Seite eines High-Society Schönlings zeigen, über Nacht zum Mittelpunkt der Klatschpresse wird. Während sie anfänglich diesen neuen Ruhm noch genießt und das beste aus der Situation macht (partymäßig und beruflich), ist das alles plötzlich gar nicht mehr so toll, als sie endlich den für sie scheinbar richtigen Kerl kennenlernt – und der hat so gar nichts mit der Welt der Schönen und Reichen am Hut.
Wie die Geschichte für Bette verläuft, ob sie die wahre Liebe kennenlernt und welche Schattenseiten der Starrummel mit sich bringt, das sollte jeder selber lesen :).

Die Story liest sich gut und zügig, erscheint an einigen Stellen einigermaßen vorhersehbar (und es ist dann doch nicht ganz so, wie man den Eindruck hatte) und insgesamt ist es ein wirklich netter Roman, den Lauren Weisgerber hier verfasst hat. Nicht besonders anspruchsvoll, aber auch nicht so simpel, wie man es von Romanen dieser Kategorie schon fast erwartet. Macht Spaß zu lesen 🙂

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Die beste Zeit unseres Lebens, Maeve Haran

IMG_9305Ein kurzweiliger Frauenroman, in dem es um Trennung, die Schatten- und Freudenseiten des Älterwerdens und vor allem um Freundschaft geht. Und obwohl die vier Protagonistinnen schon jenseits der 60 sind, ist das Buch auch für deutlich jüngere Leserinnen sehr schön und unterhaltsam. Irgendwie ist es eins von diesen Büchern, die perfekt zu tristen Regentagen passen, an denen man es sich mit Tee und Buch gemütlich auf dem Sofa macht und sich von den Geschichten anderer inspirieren lässt.
Die Hauptcharaktere des Romans sind Claudia, Sal, Ella und Laura, die sich seit über 40 Jahren kennen, alle in London leben und sich regelmäßig auf ein paar Drinks und Lebensgeschichtenaustausch treffen. Sie haben jeweils mit diversen Umbrüchen in ihren Leben zu kämpfen (als da wären: Trennung, Umzug, Schwierigkeiten mit den Kindern oder Krankheit) und zeigen in ihrer jeweiligen Problembewältigung, das irgendwie alles machbar ist, wenn man es anpackt – und das sich alle Schwierigkeiten noch besser in den Griff bekommen lassen, wenn man sich mit Freundinnen darüber austauschen kann.

Ein wirklich schönes Buch, das mit seiner leichten Erzählweise für angenehme Lesestunden sorgt :).

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